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631. Maiabendfest 2019

Sonntag, 7. April 2019 - Fähnrichsverpflichtung

Sonntag, 14. April 2019 - Kranzniederlegung in Fröndenberg

Donnerstag, 25. April 2019 - Eröffnung des Maiabendfestes und Westfälischer Brauchtumsabend auf dem Bongard-Boulevard

Freitag, 26. April 2019 - Ökumenischer Gottesdienst,  Marsch durch die Innenstadt, Großer Zapfenstreich

Samstag, 27. April 2019 - Ausmarsch nach Harpen, gr. Festumzug und Einmarsch in die Innenstadt anschl. Maiabendfest

Sonntag, 28. April 2019 - Kindertag

Weitere Informationen hier: www.bochumer-maiabendfest.de

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Rede zur Kranzniederlegung 2019

Geschrieben von Karl - Heinz Böke am .

Zum Gedenken des Grafen Engelbert III. von der Mark

Liebe Freunde des Maiabendfestes,
Dieser Sonntag, der dem Gedenken des Grafen Engelbert und seiner Gemahlin – Stifter des Bochumer Maiabendfestes – ge­widmet ist, geht vorüber, ohne dass er sich von anderen Tagen wesentlich unterschieden hätte.
Sind es die Sorgen der Gegenwart und die lastende Ungewissheit der Zukunft, die uns das jüngst Vergangene so fernrücken lässt? Oder hat uns die Zeit phrasenhafter Entwertung aller Begriffe mit ihrem hohlen Heldenkult auch noch um das letzte Besitztum betrogen: um die Erinnerung an seine Verstorbenen.
Wenn es ein Wort gibt, unter dem sich viele Empfindungen, Er­fahrungen, Nachrichten und Schlagzeilen dieser Zeit sich zusam­menführen lassen, dann ist es das Wort „Verunsicherung“. Aus vielen verschiedenen großen und kleinen Quellen speist sie sich, diese mal leisere, mal lautere Zukunftsverunsicherung. Werde ich einmal ausreichend Rente haben? Werden Banken , Versicherungen, Behörden, immer mehr digita­lisiert und automatisiert, wird es bald niemanden mehr geben, der mir das Gefühl gibt, ein Einzelfall zu sein, ein Individium mit einem Recht auf eigene Fragen und Probleme?
Wird die Gesellschaft weiter auseinander driften oder wird etwas Neues entstehen, das die Menschen ein verbindendes Bewusst­sein füreinander entwickeln und uns „ein Land“ sein lässt? Wie wird’s weitergehen in unserem Land? Wissenschaftlich und technisch wird der Fortschritt sicher weiter unaufhaltsam sein, aber wird dieser Fortschritt noch allen zu Gute kommen? Oder nur einer kleinen Elite? Verunsicherung. Und jetzt habe ich vom Klima, von der Migra­tion, unseren maroden Brücken und Schulen, vom womöglich wieder heraufziehenden Kalten Krieg überhaupt noch nicht gere­det.
Die Politik vermag der um sich greifenden Verunsicherung sich kaum zu wehren.
Die Kirchen, deren Sinngebungsangebote ein­mal ein erheblicher Teil des „Kitts“ in unserer Gesellschaft waren, sind vielerorts mit sich selbst beschäftigt:
Missbrauchsskandal, Traditionsabbruch und geschlossene Kirchen haben den Nimbus der Kirchen verblassen lassen, eine selbstverständliche Autorität sind die Kirchen für viele längst nicht mehr.
Wer verunsichert ist, sucht etwas, was ihm Sicherheit und innere Ruhe zurückgibt. Eine beliebte Strategie: Früher war alles nicht so unsicher, also soll es wieder wie früher werden? Aber auf welches „früher“ kann man sich einigen?
Eine andere Strategie: Den Grund der Verunsicherung zu identifizie­ren.
Der ist allerdings oft komplex und mit einem Wort kaum zu benennen. Es sei denn, das Wort ist ein Name. Der Name eines Verantwortlichen, den man beschuldigen kann. Der ist schuld, der – oder die – muss weg. Sündenbockdenken.
Wir hier, die Schützinnen und Schützen aus Bochum, Frönden­berg und befreundeten Schützenvereinen machen etwas ande­res: Wir Gedenken heute eines Toten der uns das Maiabendfest gestiftet hat.
Dieses tun wir aus Überzeugung weil wir es für wichtig halten, auch wenn sonst vieles sich gewandelt hat.
„Preise den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gu­tes getan hat!
In diesem Gebet spricht ein Beter oder Sänger sich selbst als Er­wachsenem Mut zu. Nicht als Kind.
Der Unterschied: Er fleht nicht um Beistand, Trost und Hilfe von einem anderen, sondern fordert sozusagen sich selbst auf, etwas zu tun: Preise den Herrn, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
Eine erwachsene Haltung zum Leben einnehmen. Nicht rumjam­mern, keine Sündenböcke suchen, sondern im Vertrauen auf Gott tun, was ich tun kann.
Für mich heißt das in diesen ruppiger wer­denden Zeiten auf jeden Fall und immer für Friedfertigkeit einzu­treten, aus Respekt gegenüber Gott immer auch den Menschen mit Respekt zu begegnen, allen Menschen!
Gleichgesinnte su­chen, aber nicht um dann umso lauter im Chor sozusagen jetzt zu jammern zu klagen oder gar zu hetzen, sondern um den Kreis gu­ter Ideen zu erweitern, um Solidarität zu spüren, das eigene Den­ken zu prüfen und gemeinsam mehr Phantasie zu entfalten, wie den verunsichernden Wirklichkeiten begegnet werden kann, auf dass durch sie nicht weiter Herzen vergiftet werden.
Eine erwachsene Haltung im Leben einnehmen, nicht klagen, was alles nicht geht oder nicht mehr ist, sondern selbst tun, was man kann, damit die Zeiten freundlicher und friedlicher werden.
Auf der Fahne von Schützenvereinen stehen die Worte: Was du ererbt von deinen Vätern, ergreif es, um es zu besitzen.
Auch hier wird einer erwachsenen, entschlossenen und aktiven Haltung gegenüber dem Leben das Wort geredet. Trage fort, was du von deinen Vorfahren übernommen hast, ergreif es, eigne es dir an und halte es in deinen – anderen – Zeiten lebendig: das ist eine aktive, zugleich gestaltende und erwachsene Haltung zum Leben.
Vieles in unseren Zeiten ist verunsichernd. Was morgen oder in zehn Jahren sein wird, wir wissen es kaum. Aber wie wir leben und handeln wollen, das können wir entscheiden. Denn wir sind Menschen, erwachsene Menschen, keine verängstigten Kinder, die von Verzweiflung gepackt nur wild um sich schlagen. Wir können und besinnen und handeln. Gerade in verunsicherten Zei­ten ist es wichtig, feste Grundregeln zu haben, an die ich mich auf jeden Fall halte:
Vergiss das Erbe deiner Eltern und Vorfahren nicht. Erweise ihnen, aber auch den Lebenden Ehre und Respekt als Menschen, die Gott uns geschenkt hat. Und vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat. Wir stehen nicht allein, wir sind Men­schen, wir alle sind Gottes Kinder, begegnen wir einander also mit dem entsprechenden Respekt. Indem wir Menschen die Ehre geben, geben wir Gott die Ehre, er ist unser Halt in aller Verunsi­cherung, er stiftet Mut und Zuversicht, mit ihm – heißt es in ei­nem anderen Bibelwort – springe ich über Mauern.
Lasst uns nun im Andenken an Graf Engelbert den III., der uns so sein großzü­giges Legat hinterlassen hat, einen Kranz niederlegen.

Karl-Heinz Böke
1. Vorsitzender