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Zapfenstreich
"Zapfenstreich ist der Beginn der Nachtruhe in den Unterkünften
der Soldaten."
Der Ursprung des Wortes "Zapfenstreich" führt
uns in das Lagerleben des Mittelalters zurück. Zu einer
bestimmten Stunde mussten die Marketender allabendlich auf ein
Trommelzeichen den Zapfen oder Spund des Schänkfasses "streichen",
d.h. hineinschlagen, eintreiben, um das Faß zu verschließen;
die Zeit der Nachtruhe ist gekommen, es darf nichts mehr "verzapft"
werden.
Nach einer Verordnung des Großen Kurfürsten vom
12.08.1662 galt eine gleiche Bestimmung auch für die Bürger:
... wirdt von Unß hiermit nochmahlß den Brawern (=
Brauern) undt Bürgern auch andern wer die auch sein, welch
Bier kannenweiß verkauffen, ernstlich und bey willkührlicher
Straffe gebohten und befohlen, sobald alß durch die trommel
der Zapfen zugeschlagen ferner kein Bier zu verlassen oder außzuschenken,
noch Biergäste in den Häusern oder Kellern zu behalten..."
Das betreffende Trommelsignal wurde "Zapfenschlag"
oder "Zapfenstreich" genannt. Gleiche Wortbildungen
liegen vor in: "Werbestreich", die Weise die der Trommler
schlug, welcher die Werber begleitete, um Dienstwillige herbeizulocken:
"Feuerstreich" Trommelschlag beim Ausbruch von Feuer;
"Kirchenstreich" Versammlungszeichen zum Gottesdienst;
"Schanzstreich" Ruf zur Schanzarbeit; der "Totenstreich"
bei Begräbnissen usw. 1757 hatten die Truppenteile des Kurpfalz-Bayrischen-Heeres
ihre Regimentstambours nach München zu senden, um die beim
Leibregiment eingeführten "Streiche" zu erlernen.
Später, 1892, wurde der kurpfalz-bayrische "Regimentsstreich"
von 1782 erwähnt, der wahrscheinlich der Versammlung des
Regimentes diente.
Der Zapfenstreich ist auch als Morgensignal bezeugt (1652):
" Man lasse auch ein pahr Trompeter und Tampuren den Zapfen-Schlag
rühren, zuvoraus gegen der Tagwacht."
Merkwürdigerweise hieß auch das geblasene Signal Zapfen-Schlag
oder -Streich. Dabei hatte man wohl die ursprüngliche Bedeutung
dieses Wortes vergessen und das Gefühl dafür verloren,
dass man eigentlich nicht sagen dürfte: Zapfenstreich "blasen".
Sehr wahrscheinlich hat "Streich" zunächst die
Bedeutung ohne des Trommelsignals erhalten, dann das eines Signals
- geschlagen oder geblasen - überhaupt.
Schlag und Streich sind sprachlich oft völlig gleichbedeutend,
vgl. Todesstreich, Schwertstreich, Uhlands Schwabenstreich u.a.
Obwohl diese Sinngleichheit auch im englischen "to strike"
( = schlagen) zu finden ist, wird die dem deutschen Zapfenstreich
entsprechende englische Bezeichnung "tattoo" von "rap
to" ( = zapf zu) abgeleitet.
Irrig ist die Ansicht, es sei mit Kreide oder Rotstift ein
Strich über den eingeschlagenen Zapfen gezogen, um das Verbot,
des weiteren Verkaufes von Getränken überwachen zu
können. Ebenso anfechtbar ist die Deutung, der Zapfenstreich
habe seinen Namen von dem Tannenzapfen, der früher ein Wahrzeichen
der Gastwirtschaften bildete und abends gestrichen, d.h. abgenommen
werden musste. Dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg
ist nicht bekannt, dass ein Tannenzapfen als Wahrzeichen der
Gasthäuser Verwendung gefunden habe.
Das Zapfenstreichsignal
Dieses bekannte Signal, das in den Standorten um 22.00 oder 23.00
Uhr geblasen wurde, um die Soldaten in die Kaserne zu rufen,
soll von Friedrich dem Großen stammen. Er soll es als junger
Prinz verfasst haben, und zwar nach dem Gesang eines Rotkehlchens,
das ihm beim Flötenspiel zu dieser Tonfolge anregte. Um
1830 erhielt die preußische Armee mit der Übernahme
der entstandenen Melodie ihr erstes einheitliches Zapfenstreichsignal
- als Hornsignal der Infanterie. Die Kavallerie besaß ein
eigenes Zapfenstreichsignal, die "Retraite". Sie wurde
1838 von Wilhelm Wieprecht in die feierliche Veranstaltung des
"Großen Zapfenstreiches" übernommen. In
den Heerlagern des 18. und 19. Jahrhunderts kündigte oft
ein Kanonenschuss, der Retraiteschuss, den Zapfenstreich an.
Programm des Zapfenstreiches
Serenade
· 3 Märsche
+ Bochumer Jungenlied
+ Fridericus-Rex-Grenadiermarsch
+ Abendlied
Großer Zapfenstreich
· Locken zum Zapfenstreich
· Zapfenstreich-Marsch
· Retraite
· Zeichen zum Gebet
· Ich bete an die Macht der Liebe
· Abschlagen nach dem Gebet
· Ruf nach dem Gebet
· Nationalhymne
Großer Zapfenstreich
Der "Große Zapfenstreich" nimmt eine besondere
und herausragende Stellung in dem vielfältigen Gebiet der
deutschen traditionellen Militärmusik ein. Diese feierliche
Abendmusik mit ihrer Abfolge von Trommel- und Pfeifenstücken,
Reitersignal, dem Gebet und der Nationalhymne trägt bis
auf den heutigen Tag die beiden großen ungebrochenen Traditionen
deutscher Militärmusik in sich: die Trommel und die Pfeife
der Landsknechte und die Trompete und Pauke der Reiterei.
Der Ursprung des Großen Zapfenstreichs ist in der Landsknechtzeit
zu suchen. Die Landsknechte verbrachten ihre Abende meist in
den Marketenderzelten oder Schänken mit Würfeln und
Zechen. Zu einer festgesetzten Stunde ging jeden Abend der "Profos"
(dies war ein Vorgesetzter in der Funktion etwa eines Wachoffiziers)
durch die Schänken und schlug mit seinem Stock auf den Zapfen
des Fasses, wodurch unbedingter Schluss befohlen war und kein
Wirt mehr ausschenken durfte. Begleitet wurde er hierbei von
einem Trommler und einem Pfeifer, dem sogenannten "Spil",
die das Abendsignal spielten. Nach diesem musikalischen Befehl,
den die Landsknechte "Zapfenschlag" nannten, mussten
alle ihre Zelte aufsuchen. Wer sich trotzdem noch im Lager herumtrieb
oder gar weiterzechte, wurde hart bestraft. Im Laufe der Zeit
wurde es üblich, das Zeichen zur Nachtruhe auch in musikalischer
Form zu geben. Bei den Fußtruppen als Trommelsignal, später
als Signalhornruf und bei der Reiterei durch eine Fanfare (Retraite).
Bereits 1726 werden dies Abendsignale in einem Buch als "Zapfenstreich"
bezeichnet. An späteren Bemühungen, den Zapfenstreich
zu vereinheitlichen, war auch der preußische König
Friedrich Wilhelm I. beteiligt, indem er einige Bestimmungen
über den Zapfenstreich erließ. Seine zeremonielle
Bedeutung erhielt der Zapfensteich während der Befreiungskriege.
Wie überliefert, besichtigte nach der Schlacht von Großgröschen
im Jahre 1813 der preußische König Friedrich Wilhelm
III. zusammen mit dem russischen Zaren Alexander I. am Abend
das russische Lager. Hierbei erlebte er, wie die Soldaten - so
wie es im russischen Heer üblich war - nach dem Zapfenstreich
noch einen Choral sangen. Beeindruckt und ergriffen erließ
er mit Kabinettordre vom 10.08.1813 auch für die preußischen
Truppen die Einführung eines Gebetes nach dem Zapfenstreich.
Damit erlangte der Zapfenstreich - wenn auch zunächst nur
in Preußen - seine erste zeremonielle Bedeutung.
Während bei den preußischen Truppen üblicherweise
als Gebet "Ich bete an die Macht der Liebe" gespielt
wurde, verwendete man in Bayern hierfür das "Bayrische
Militärgebet" (Joh, Kasper Aiblinger) oder überhaupt
einen eigenen Zapfenstreich.
Auf der Grundlinie (Locken - Zapfenstreich - Gebet) stellte
Friedrich Wilhelm Wieprecht, der legendäre Wegbereiter deutscher
Blas - und Militärmusik, die noch heute gültige Form
des Großen Zapfenstreiches zusammen. Er erklang auf diese
Weise erstmalig am 12.05.1838 in Berlin zu Ehren des russischen
Zaren Alexander I. als Abschluss eines Großkonzertes.
Die Nationalhymne als Abschluss dieses Zeremoniells war zunächst
nur bei besonderen Anlässen, wie z.B. "Kaisers Geburtstag",
üblich. Die amtliche Einführung erfolgte erst im Jahre
1922.
Ablauf des Großen Zapfenstreiches
Der Große Zapfenstreich wird von Spielmannszug und Musikkorps
ausgeführt, die von zwei Zügen unter Gewehr und Fackelträgern
begleitet werden.
Führer des Großen Zapfenstreiches ist ein Truppenoffizier,
der mindestens im Rang eines Stabsoffiziers steht und die für
den Großen Zapfenstreich angeordneten Kommandos gibt. Die
musikalische Leitung obliegt dem Chef des Musikkorps.
Der Große Zapfenstreich marschiert unter den Klängen
des "Yorckschen Marsches" von Ludwig van Beethoven
auf. Nach dem Einnehmen und Ausrichten der Formation folgt die
Meldung an den Abnehmenden, bzw. zu ehrende Persönlichkeit.
Daran schließt sich eine Serenade an, die üblicher
aus drei Musikstücken besteht. Anschließend lässt
der Führer des Großen Zapfenstreiches stillstehen.
Es folgt die o.g. Spielfolge. Zum Gebet wird der Helm (Kopfbedeckung)
auf Kommando abgesetzt.
Nach der Nationalhymne erfolgt die Abmeldung.
Der Große Zapfenstreich marschiert unter den Klängen
des Zapfenstreichmarsches ab.
ZAPFENSTREICHMARSCH
Zinstalerauszahlung
Ablösung des Anspruchs auf den Maibaum durch eine Geldrente
an die Bochumer Junggesellen.
Zum Abschluss des Ausmarsches, nach der Versteigerung der Eichbaum-Silbertaler,
wird die historische Zinstalerauszahlung auf dem Trommelfell
nachempfunden. Die Zinstaler sind der Lohn für die Mühen
des Tages, die Ausgrabung der Eiche und das Einbringen der Eiche
in die Stadt. Und wenn die Sonne über der Stadt verschwindet,
sind die Schweißtropfen schon fast vergessen.
(ur)
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