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Sehr geliebteste Eltern!
Ich melde hierbei,
dass es mir fehlet an Gelde
habet also die Gewogenheit
Und schicket mit bald eine Kleinigkeit.
Nämlich etwa 20 bis 30 Ducaten
Denn ich weiß mir kaum mehr zu rathen
Weil es alles so knapp geht hier
Drum sendet doch dieses Geld bald mir.
Alles ist hier ganz schrecklich theuer
Tisch, Stube, Wäsche, Licht und Feuer
Und was sonst etwa vorfällt noch
Drum schicket die 30 Ducaten doch.
Kaum begreift ihr die starke Ausgabe
Welche ich auf der Universität habe
für so viele Bücher und Collegia
Ach wären doch die 30 Ducaten schon da!
Ich studiere täglich recht fleißig.
Sendet mir doch nächstens 30
Ducaten, so bald als möglich ist, her
Denn mein Beutel ist jämmerlich leer.
Wäsche, Schuhe, Strümpfe und Kleider
Friseur, Näherin, Schuster und Schneider
Tinte, Feder, Bleistift, Papier
kosten viel, schickt die Ducaten mir.
Das Geld, welches ihr hoffentlich bald sendet
Wird, ich schwör´es euch, gut angewendet.
Ja, liebe Eltern! ich behelfe mich
Sehr genau und höchst kümmerlich.
Wenn andere Studenten saufen und schwärmen
So entziehe ich mich allem wilden Lärmen
Und schließ mich mit den Büchern allein
Auf meiner Studirkammer weislich ein.
Außer den nöthigen Kosten und Speise
Spar ich, liebe Eltern! auf alle Weise
Und trink vor`n Durst kaum einmal Thee
Denn Geld ausgeben thut schrecklich mir weh.
Andere Studenten, die lüderlich prassen
Thun mich wegen meiner Eingezogenheit hassen
Und sagen: das geht der Knicker einher
Er studirt, als wen er ein Pfarrer schon wär.
Manchen Verdruß sie drob schon mir machen,
Ich thu aber ihre Spötterei verachten
Und was man von meiner Frömmigkeit spricht.
Vergeßt doch die die 30 Ducaten nicht!
Täglich hab`ich mich zehn ganze Stunden
In den Collegiis bisher eingefunden
Und wann dann diese Collegia aus
Studir`ich in übrigen Stunden zu Haus.
Die Profeffors sind trefflich mit mir zufrieden
Und rathen fast, mich nicht so zu ermüden
In meinem beständigen Studiis
Philosphicis und Theologicis.
Es möchte sich zwar nicht geziemen
Mich gegen euch, liebe Eltern! selber zu rühmen
Doch sage und versich`r ich euch frei
Dass ich der fleißigste von Allen sei.
Oft will mir von allen gelehrten Dingen
Fast der Kopf, sammt dem Hirn, zerspringen
Und manchmal wird mir gar wunderlich.
(U propos! die Ducaten erwarte ich.)
Ja, liebe Eltern! ich lese schier beständig,
Und strap`ziere meine Sinnen sehr elendig
Und meistentheils wird sogar die Nacht
Mit tiefem Meditiren zugebracht.
Nähstens gedenk`ich auf die Kanzel zu steigen
Und mich einmal im Predigen zu zeigen!
Ich disputir`mich auch im Collegium
Ueber gelhrte Materien tapfer herum.
Vergesset doch nicht die Ducaten zu schicken
Das ich sie schier baldigst möge erblicken.
Ihr bekommt einst dafür in meiner Person
Einen hochgelehrten und klugen Sohn.
Da ich auch ein Privatissimum gesonnen
zu halten und wirklich schon begonnen
Welches 20 Reichthaler kosten thut:
So erwart`ich auch diese wohlgemuth.
Auch thu ich euch, liebe Eltern! zu wissen
Dass ich jüngst meinen Rock sehr zerrissen
Also füget zu obigen Geldern doch
zwölf Thaler zum neuen Rocke noch.
Habe auch neue Stiefel sehr nöthig
Es ist auch kein Schlafrock mehr vorräthig
Imgleichen sind meine Pantoffeln und Hut
Auch andere Kleidungsstücke caput.
Da ich nun dies alles nicht kann entbehren
Wollt ihr mir noch a part 4 Louisdòr verehren
Welche alsdann zur Nothdurst mein
Vielleicht möchten hinreichend sein.
Ich bin auch kürzlich todtkrank gewesen
Und kaum mit genauer Noth wieder genesen
Daich versich`re ich euch mit Hand und Mund
Dass ich itzo sei wieder ziemlich gesund.
Der Medicus, welcher mich curiret
hat 18 Gulden aufgeführet
Und die aus der Apotheke gebrauchte Arznei
Machet, laut Rechnung, zwanzig und drei.
Damit nun der Arzt und Apotheker kriegen
Das ihre, werdet ihr gütigst fügen
Diese ein und viezig Gulden dazu.
Seid übrigens wegen meiner Gesundheit in Ruh.
Die Aufwärterin, welche mich that laben
In der Krankheit, möchte auch wol was haben.
Drum sendet noch sieben Gulden dafür
Und addressiert`s mit dem übrigen an mir.
Für Citronen, Geleen und Confituren
Zur Stärkung kranker und schwacher naturen
Steht auch noch als eine kleiner Rest
Acht Gulden bei dem Conditor fest.
Diese bemeldte Posten allzumalen
Möcht ich gerne nächstens richtig bezahlen
Denn ich liebe Ordnung und hüte mich
Vor allen Schulden sorgfältiglich.
Ich traue also zu euren milden Händen
Dass sie mir Alles, nebst 30 Ducaten senden
Sobald als euch es möglich wird sein.
Noch fällt mir eine Kleinigkeit ein:
Vor 15 Tagen hatte ich`s Unglücke,
Und fiel hoch von der Treppe zurücke
Als ich ging ins Collegium
Und stieß mir den rechten Arm fast krumm.
Der Chirurgus verlangte derohalben
Zwölf Thaler für Balsam, Pflaster und Salben
Spiritus und sonstige Schmiererei;
Drum thut auch diese zwölft Thaler noch bei!
Doch damit ihr euch nicht alteriret
Ich bin, Gottlob! ganz wieder curiret
Und geh`mit gesundem Arm und Bein
Täglich in das Collegium ein.
Nur habe ich einen sehr schwachen magen
Die Aerzte, die ich consultirt habe, sagen
Das käme vom vielen Sitzen hier
Und weil ich so erstaunlich fleißig wär.
Sie haben mir dieserhalben angerathen:
Warmen Burgunderwein, mit Zimmt und Muskaten
Des Morgens zu trinken statt des Thee
Das wäre gut für´s magenweh.
Leget also noch bei zwei Pistolen
Um dafür Burgunder und Würze zu holen;
Gewiß, liebe Eltern! ich trinke es nur
Blos zur verordneten Magencur.
Endlich habe ich noch einige Schulden
Von etwa 30 bis 40 Gulden
Schicket mir also auch ohne Fehl
Liebe Eltern! dies Bagatell.
Könnte ich, neben bei, für andere Ausgaben
Auch noch ein Dutzend Louisd`or haben
So käme mir dieses recht bequem
Und wäre mir wirklich auch angenehm.
Wenn ihr euch übrigens gesund befindet
Und nächstens im Briefe mir verkündet
So wird mir dieses erfreulich sein
Schließt aber auch ja das Geld mit ein.
Hiermit will ich also mein Schreiben beschließen
Meine Geschwister thu ich freundlich grüßen
Und verharre hierauf zum Schluß
Euer gehorsamer Sohn Hieronmus
Ich setze noch eilig zum Postcripte:
Meine hochgeehrte sehr geliebte
Eltern! ich bitte kindlich
Schicket doch bald das Geld an mich.
Denn, lieber Vater! ich legte bei 14 französische Kronen
Zurück, sie bis zur äußersten Noth zu schonen;
Alleim zum größten Schmerz und Verdruß
Stahl mir solche gestern ein Anonymus.
Ich weiß, ihr ersetzt mir, ohne drum zu bitten
Den Schaden, den ich unschuldig erlitten
Denn Ihr, als ein hochvernünftiger Mann
Begreift leicht, dass ich solchen nicht tragen kann.
Ich werde, indeß möglichst dafür sorgen
Dass der Anonymus heute oder morgen
Zu eurer Beruhigung oder Saticfaction
Bekomme den hanfenen Strick zum Lohn. Des Vaters
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