Wort und Brauchtum der Spielmannsmusik

     

"Spielleute von 1912" der Bochumer Maiabendgesellschaft 1388. e.V.

Was heißt "Tambour"?

Das Wort Tambour nennt ursprünglich nicht den Trommler, sondern ein Instrument. Das Wort wird gewöhnlich vom arabisch-persischen tanbúr (sprich tambür) abgeleitet, eine Art Schlagzitter. Dies wurde französisch zu tambour und bezeichnete eine Handtrommel (vgl. auch tamburin). Wir haben das Wort im Mittelalter aus dem Französischen entlehnt: mhd. tambúr. Der Schlegel hieß mdh. tambúrer. Seit dem 17. Jahrhundert hat man den Namen des Instrumentes auf den Trommler selbst bezogen. Das fanzösische Tambour verdrängte des deutschen "Drommelschläger", im brandenburgischen Heere um 1650.

Trommler und Pfeifer - sie bilden zu zweit ein "Spiel" - gehörten schon zum Landsknechtsfähnlein. Später hatte ein Fähnlein zwei solcher Spiele.

Woher stammen die farbig gezackten Trommelreifen?

Bei den Regimentern des altpreußischen Heeres waren die hölzernen Trommelreifen verschiedenfarbig angestrichen. Sie stimmten gewöhnlich mit den Borten an den Röcken der Spielleute oder sonstigen Abzeichen es Regiments überein und haben wohl häufig gewechselt. Die Garde hatte rot-weiß gezackte Trommelreifen. König Friedrich Wilhelm III. befahl dieses Muster für die gesamte Armee. Er verfügte am 28.01. 1817:

"Die Trommelreifen werden weiß und roth angestrichen." Die Truppenteile anderer deutscher Staaten besaßen oft Trommelreifen in ihren Landesfarben, z.B. Bayern Weiß-Blau, Sachsen Weiß-Grün usw. So blieb es bis 1919.

Im Reichsheer der Weimarer Republik waren die Farben der Trommelreifen denen der am Stahlhelm vom 1921 bis 1933 getragenen Landsmannschaftsabzeichen - den "Spiegel" genannten Wappenschildern - gleich. Die Wehrmacht änderte die Farbgebung einheitlich in schwarz-weiß-rot. In der Bundeswehr tragen dir Trommeln heute die Farben: Schwarz-Rot-Gold.

Auch bei den Spielleuten von 1912 der Bochumer Maiabendgesellschaft tragen die Trommeln, nach dem überlieferten Brauch, die Kokardenfarben unserer Gesellschaft: Blau-Weiß.

Welchen Ursprung hat der Tambourstab?

Der Tambourstab hat sich aus dem Stock der Landsknechts- und Söldnerfahnen entwickelt. Trommler und Pfeifer, die dem Fähnrich unterstanden, erhielten durch Schwenken und Schwingen der Fahne - das "Fahnenspiel" genannt - den Takt angezeigt. Ebenso wurden die zur Truppenführung erforderlichen Signale mit "Fahne und Spiel" sicht- und hörbar weitergegeben. Zur besseren Handhabung hielt man den Fahnenstock sehr kurz und versah in unten mit einer Kugel. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ist daraus der Führung großer Trommler- und Pfeifer- oder Hörner-Korps gebrauchte Tambourstab entstanden. In Frankreich fand er, vermutlich durch das Beispiel der alemannischen Schweizer und Elsässer veranlasst, großen Anklang. Und bald wurde es in den französischen Regimentern Mode, einen besonders staatlich gewachsenen und phantasievoll gekleideten Tambourmajor zu haben, der durch zierliches Schwenken und In-die-Luft-Werfen des nun reich geschmückten Stabes Aufmerksamkeit auf sich zog. Von einem solchen napoleonischen tambour-major berichtet Heinrich Heine:
Er balancierte den großen Stock
Mit lachendem Gesichte;
Die silbernen Tressen auf seinem Rock,
Die glänzten im Sonnenlichte.

Wenn er im Trommelwirbelschall
Einzog in Städten und Städtchen,
Das schlug das Herz im Widerhall
Den Weibern und Mädchen.

In Preußen kommt der Tambourstab erst seit den Befreiungskriegen von 1813/15 zur Einführung - von französischen Vorbildern und erbeuteten Stäben angeregt. Ein "erlaubtes Paradestück" soll schon seit 1808 vorhanden gewesen sein. Zunächst wurde der Tambourstab nur vom Regimentstambour (der Infanterie) geführt, später auch von den Bataillonstambouren: allerdings nur bei Paraden, dem Aufziehen der Wache und zum Großen Zapfenstreich. Bei anderen Gelegenheiten wurden die Zeichen mit dem Signalhorn (Fanfare) gegeben.

Was ist eine Querflöte?

Sie ist die Hauptvertreterin der Flöteninstrumente bei denen durch Anblasen einer Kante oder Schneide der Innenraum eines Hohlkörpers zum Schwingen gebracht wird. Da das Anblaseloch in die Seitenwand eingeschnitten ist, ergibt sich die Querhaltung. Die Querflöte hatte bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts nur eine Klappe und konische Bohrung. Sie ist heute zylindrisch gebaut, die Tonlöcher sind nach rein akustischen Regeln eingeschnitten, zwecks bequemer Spielbarkeit, wobei unmittelbar mit den Lippen gegen die Kante des Mundlochs geblasen wird.

Was sind Becken?

Becken werden meist paarweise als Schlaginstrument aus gehämmerter Bronze in Form eines schwach gewölbten Tellers mit einem Buckel in der Mitte, durch den ein Halteriemen gezogen ist. Sie werden gegeneinander geschlagen oder einzeln mit Schlegeln. Die besten Becken kommen aus der Türkei und China. Becken sind asiatischen Ursprungs und waren schon den alten Assyrern wie den Ägyptern bekannt.

Was ist eine Lyra?

Die Lyra war im klassischen Altertum ein Zupfinstrument mit trommelartigem, meist rundem Schallkörper (ursprünglich eine Schildkrötenschale), an dessen zwei Seiten zwei Arme angesetzt sind. Diese Arme sind durch ein Querholz verbunden, von dem die Saiten zum Schallkörper verlaufen. Der Name Lyra ist seit dem Mittelalter als Lira auf andersgeartete Saiteninstrumente übertragen worden.

Im Spielmannszug finden wir die "militärische"-Lyra. Hierbei handelt es sich um ein Stahlstab-Glockenspiel, dessen Stäbe in einem lyraförmigen Rahmen übereinander aufgehängt sind.

Was bedeutet Trommel?

Das mittelhochdeutsch (mhd.) trumbel, trumel, ein zunächst einseitig mit Fell überspanntes hohles hölzernes Schlaginstrument ist eine Weiterbildung zu dem mhd. trumbe, althochdeutsch (ahd.) trumba (womit aber ein röhrenförmiges Blasinstrument aus Metall gemeint war).
Die eigentliche Bedeutung ist Schallerreger, Schallgerät: mhd. trum(m)e. Das Wort ist lautmalenden Ursprungs und gehört zu mhd. trumel (=Lärm).

Woher stammt der Schellenbaum?

"... voran der Schellenträger ...." (v. Liliencron, Die Musik kommt.)
Seiner Herkunft nach ist der Schellenbaum in den deutschen Heeren nicht als Instrument, sondern als Siegestrophäe aufzufassen, die der Truppe bei besonderen Anlässen symbolhaft mit Musik vorausgeführt wird. Richtigerweise wäre er daher von einem aus der Truppe auserwählten Träger und nicht von einem Mitglied des Musikkorps zu tragen.

Der Ursprung des Schellenbaumes, dessen Namen bei uns von den zahlreich angehängten Schellen abgeleitet ist, liegt vermutlich in China, im "Chinesischen Schellenhut" (franz. Chapeau chinois). Er ist über Indien nach Kleinasien gekommen und fand bei den Türken in den Musikgruppen der Janitscharen Aufnahme. Mit den Schlaginstrumenten - Trommel, Becken - und dem Triangel (dem Vorläufer der Lyra) wurde er durch rhythmisches Schütteln zur taktbestimmenden, charakteristischen Begleitung der melodieführenden Blasinstrumente. Die Janitscharenmusik, auch "Türkische Musik" genannt, gelangte im 18. Jahrhundert mit den Türkenkriegen in fast alle europäischen Heere. Preußen stellte eine derartige Musikbesetzung zuerst in seinem Artillerieregiment zusammen (1740). Sie bestand aus 16 "Mohren".

Der Schellenbaum hat seine äußeren Wesensmerkmale erst in den türkischen Heerscharen erhalten. Neben dem Halbmond sind es hauptsächlich die gefärbten Rossschweife, die seine türkische Abstammung unterstreichen. Sie sind von den Feldzeichen hoher militärischer Würdernträger übernommen worden. Deshalb ist der Schellenbaum auch als "Mohammedsfahne" bekannt. Die Engländer sprechen vom turkish crescent (= türkischer Halbmond). Bei den genannten Feldzeichen hingen die Rossschweife von einem vergoldeten Halbmond herab, der über einer gleichartigen Kugel an einem tragenden Stab befestigt was. Diese Zeichen wurden den Befehlshabern vorangetragen oder vor ihren Zelten aufgestellt.

Die Zahl der Rossschweife war verschieden; dem Sultan standen sechs zu. Über die Entstehung der Rossschweife als türkische Abzeichen wird berichtet:

"In einem Treffen gegen die Christen verloren die Türken eine wichtige Fahne und mit ihr den Mut. Alles ergriff in der größten Verwirrung die Flucht. Das der General dies wahrnahm, wusste er sich nicht anders zu helfen, als dass er einem Pferde mit seinem Säbel den Schweif abhieb, ihn auf eine Pike heftete, sie emporhob und den Fliehenden zuschrie: Hier ist die große Standarte; wer mich liebt, der folgt mir. Die Türken fassten neuen Mut, schlossen sich wieder in feste Glieder, griffen den Feind herzhaft an und erkämpften der Sieg."

Der Schellenbaum wurde von einzelnen preußischen Truppenteilen bei ihrer Regimentsmusik erst eingeführt, nachdem sie einen solchen im Laufe der Feldzüge 1813/15 erobert oder erbeutet hatten. Als der König seine Erlaubnis zur Führung erteilt hatte (nur für Infanterie und Fußartillerie), wurde es zur Prestige- und Ehrensache, dergleichen Trophäen zu besitzen. Nach dem Krieg waren es zuerst einzelne Stände, dann auch Städte, die den in ihren Provinzen oder in ihren Mauern stehenden Regimentern als Zeichen des vaterländischen Dankes solche "Siegeszeichen" stifteten. Um in der dadurch verursachten Verschiedenartigkeit der Schellenbäume eine gewisse Gleichheit zu erzielen, erließ Kaiser Wilhelm II. die für Neuanschaffungen geltenden Bestimmungen vom 27.01.1902.

Im Bayern wurde der Schellenbaum 1826, in Östereich1860 abgeschafft, kam aber in beiden Staaten wir zur Einführung.

Zum Ausmarsch nach Harpen und zu besondern Anlässen führen unsere Spielleute den Schellenbaum mit. Vornweg - vor dem Spielmannszug, neben dem Tambourmajor, mit Blau-Weißen Rossschweifen. (ur)